Responsible AI

Was bedeuten Vertrauen und Transparenz im Zeitalter von AI?

Anjana Vasan
Principal Content Marketer
Parloa
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22 November 20254 mins

AI entwickelt sich derzeit schneller, als neue Regeln dafür entstehen. Vertrauen wird damit zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil für Unternehmen, die AI einsetzen. Dabei müssen sie beides schaffen: Innovationen vorantreiben und gleichzeitig verantwortungsvoll handeln – gegenüber Kund:innen, Regulierungsbehörden und der Gesellschaft.

Erfolgreich werden die Unternehmen sein, die nicht nur gute Modelle entwickeln, sondern nachhaltig Vertrauen schaffen – in die AI und die Art und Weise, wie sie arbeitet, Entscheidungen trifft und sich weiterentwickelt.

Das war auch eines der Themen auf der WAVE 2025: Dr. Carolin Gütschow, Director Legal bei Parloa, und Dr. Philipp Hacker, Chair for Law & Ethics of the Digital Society an der European New School of Digital Studies, sprachen darüber, warum Governance mit der schnellen Entwicklung von AI Schritt halten muss und nicht nur eine Compliance-Frage ist, sondern ein strategischer Hebel für Innovation und nachhaltiges Wachstum.

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Compliance als Motor für Innovation

Regulierung wird oft als Innovationsbremse empfunden. Zukunftsgerichtete Unternehmen sehen das jedoch anders: Governance kann zum Motor werden, der verantwortungsvolle und skalierbare Innovation erst möglich macht.

„Wenn wir neue Features entwickeln, stellen wir uns zwei einfache Fragen: Funktionieren sie technisch? Und sind sie transparent und vertrauenswürdig?“, sagte Gütschow.

Dieses Mindset macht Compliance zu einem Design-Prinzip, das von Anfang an mitgedacht und nicht nachträglich hinzugefügt wird. Parloas Governance-Framework basiert auf drei Säulen: Produktintegrität, AI-Evaluierung durch Drittparteien und AI-Kompetenz im gesamten Unternehmen. Jede Produktentscheidung wird mit Blick auf Verantwortlichkeit getroffen. Das ist ein wichtiger Vorteil in Branchen wie Finance, Versicherungen und Telekommunikation, in denen Vertrauen nicht verhandelbar ist.

„Compliance soll nicht nur Strafen vermeiden, sondern Vertrauen aufbauen und langfristig erhalten – auch dann, wenn AI skaliert.”

Dr. Carolin Gütschow

Da Vertrauen zunehmend zum Wettbewerbsfaktor wird, entwickelt sich Governance zu einem eigenen Produkt-Feature, das die Reputation stärkt, die Einführung von AI beschleunigt und Wachstum ermöglicht.

Den AI Act als Chance nutzen

Viele Unternehmen empfinden den EU AI Act als Belastung. Hacker hingegen sieht das Regelwerk als strategisches Differenzierungsmerkmal. „Organisationen können ihre Produkte als AI-Act-konform positionieren“, erklärte er. „Das ist ein positives Zeichen – nicht nur in der EU, sondern auch in anderen Märkten, die ähnliche Rahmenwerke einführen.“

Damit verändert sich die Perspektive: Compliance ist nicht nur Risikomanagement, sondern auch ausschlaggebend für die Marktpositionierung. Unternehmen, die neue Standards erfüllen oder sogar übertreffen, signalisieren Kunden und Partnern Verlässlichkeit, Weitblick und Umsetzungskompetenz.

Natürlich kommt es auf die Details an. Schon kleine Anpassungen daran, wie Unternehmen General-Purpose-AI-Modelle verfeinern oder weiterentwickeln, können ihre regulatorische Klassifikation im Rahmen des AI Act verändern. Organisationen, die früh in adaptive Governance investieren, sind besser darauf vorbereitet, diese Shifts nahtlos zu managen.

Compliance kann so zum echten Wettbewerbsvorteil werden.

„Compliance ist keine einmalige Sache. Es braucht Systeme, die sich mit jeder neuen Regulierung weiterentwickeln.”

Dr. Philipp Hacker

Globale Regulierung ist komplexer, als sie scheint

Die regulatorische Landschaft entwickelt sich weltweit unterschiedlich schnell. Das heißt aber nicht, dass die Regeln anderswo weniger streng sind. Hacker wies darauf hin, dass Europa mit dem AI Act über ein einheitliches Rahmenwerk verfügt, während die USA mit einem Flickenteppich aus State Laws, Haftungsregeln und Copyright Enforcement arbeiten. Das macht es dort mindestens genauso komplex, sich zurechtzufinden, wie in Europa.

Damit wird deutlich: AI-Governance ist nicht nur juristisch, sondern auch operativ relevant. Unternehmen können sich nicht einfach „den bequemsten Rechtsraum aussuchen“. Sie brauchen Frameworks, die über Regionen hinweg skalieren und sich schnell an neue Anforderungen anpassen. 

Hier hat Parloa einen Vorteil. Die Technologie ist von Grund auf DSGVO-konform. Governance-Prinzipien der Datenschutzgrundverordnung – Transparenz, Verantwortlichkeit und Nutzerrechte – sind nahtlos auf AI-Regulierungen übertragbar. Dadurch kann Parloa schnell auf regulatorische Entwicklungen in Europa und Nordamerika reagieren.

Parloa verfolgt eine Governance-Strategie, die sich weltweit anpassen lässt, lokal alle Anforderungen erfüllt und strukturell widerstandsfähig ist.

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Vertrauen schaffen durch maximale Transparenz

Transparenz ist kein bloßer Haken im Pflichtenheft, sondern der deutlichste Beweis für Vertrauenswürdigkeit. Der AI Act verlangt, dass Nutzer:innen informiert werden, wenn sie mit AI interagieren. Ab August 2026 müssen Anbieter zudem sicherstellen, dass Outputs generativer Modelle eindeutig als solche gekennzeichnet sind.

Für Parloa geht es dabei um mehr als Compliance. Durch maximale Transparenz gewährleisten wir, dass alle Aktionen der AI Agents nachvollziehbar sind. Wenn Nutzer:innen verstehen, wie AI-Entscheidungen getroffen werden, und darauf vertrauen, wie ihre Daten verarbeitet werden, steigt die Akzeptanz.

Transparenz schafft Vertrauen und stärkt langfristig die Kundenloyalität.

„Transparenz schlägt die Brücke zwischen Leistungsfähigkeit der Produkte und öffentlichem Vertrauen”.

Dr. Philipp Hacker

Für Enterprise-Unternehmen, die AI in der Kundenkommunikation einsetzen, wird diese Transparenz zum USP.


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Governance zukunftssicher machen

Regulatorische Vorgaben werden sich weiter verändern. Technologie ebenso. Deshalb betonen Gütschow und Hacker die Bedeutung einer Governance, die unabhängig von Technologien funktioniert. Es braucht Systeme, die auf Prinzipien wie Fairness, Verantwortlichkeit und Transparenz basieren und nicht an bestimmte Modellarchitekturen gebunden sind.

Diese Zukunftssicherheit wird umso wichtiger, je mehr sich AI-Systeme von statischen, prädiktiven Modellen hin zu autonomen Agents entwickeln – und je stärker Branchen wie das Gesundheits- oder Finanzwesen mit spezifischen Regulierungen konfrontiert sind. Wer erfolgreich sein will, muss sich anpassen können, ohne die Grundlagen jedes Mal komplett neu aufbauen zu müssen, wenn sich der regulatorische Rahmen ändert.

Governance ist keine Innovationsbremse, sondern sorgt dafür, dass Innovation langfristig bestehen kann.

„Das ist die Grundlage für Wachstum, Innovation und Weiterentwicklung – wir sind bereit dafür.”

Dr. Carolin Gütschow

Warum Vertrauen der eigentliche Wettbewerbsvorteil ist

Vertrauen ist kein Soft Fact, sondern eine messbare Größe. AI-Systeme können heute Beziehungen zu Kund:innen und Regulierungsbehörden stärken – oder gefährden. Deshalb wird sich im Markt durchsetzen, wer Vertrauen fest in den operativen Betrieb integriert.

Organisationen, die Governance als Chance und nicht als Bürde verstehen, kommen schneller voran: Sie gewinnen einfacher Kunden, können mit weniger Rückschlägen global expandieren und halten Prüfungen stand, an denen andere scheitern.

Hacker brachte es auf den Punkt: „Die Unternehmen, die heute ethische, nachvollziehbare und transparente AI bauen, werden morgen definieren, was gute AI leisten kann.“

Die Botschaft ist deutlich: Governance und Vertrauen sind keine Nebenprodukte, sondern Basis einer Wachstumsstrategie – und werden damit zum Wettbewerbsvorteil. 

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